Neue Ausbeutungsverhältnisse?

Luxus, Bekleidung, Design, Schmuck, Genussmittel…

Was bewegt uns eigentlich, diese Sachen zu kaufen, sie zu besitzen? Warum reicht uns nicht mehr asketisches Gewand, Brot, Salz und Wasser? Wie kommt es, dass das Schöne, das Teure
unser Leben bestimmt?

Wenn die Bedürfnisse einer Gesellschaft im wesentlichen befriedigt sind, wenn die Mehrheit der Menschen ein Dach über dem Kopf hat, eine Pizza rund um die Uhr bestellen kann, also mehr oder weniger ein gesichertes Leben führt, geriet der Kapitalismus in eine etwas schwierige Lage: Kapitalvermehrung kann nun nicht garantiert werden. Daher muss der Kapitalismus auf einen anderen Typ von Bedürfnissen setzen, auf so genannte „Begehrnisse“. Sie sind solche Bedürfnisse, die nie gestillt werden, sie steigern nur, wenn man ihnen entspricht. Sie dienen nicht der Lebenserhaltung, sondern Lebenssteigerung.

Das Interesse, die Ware zu kaufen, besteht in der Möglichkeit, sich die Ware überhaupt leisten zu können. Anders ausgedrückt, dient der Konsum nicht mehr der Befriedigung elementarer Bedürfnisse, sondern der Realisierung eines sozialen Status. Apple Watch, Voice-Assistent, Designkleidung, Nespresso Special Addition. Die Produktion wird ästhetisiert, verschönert, industriell produziert und schlau verbreitet. Das Schöne, das Ästhetische, das Neue nötigt die Emotionen ab und übt einen spielerisch-lustvollen Lebensvollzug aus…

Die Ökonomie der Ästhetik setzt auf die Bedürfnisse nach Gesehen-Werden, Selbstinszenierung, Ausstattung, das teure Leben und ist eigentlich die Basis einer neuen praktisch unbegrenzten ökonomischen Ausbeutung. Auf ihrer Basis kann Konsum zur Leistung gemacht werden, das Leben wird in Überfluss und die Verausgabung zur Pflicht…

Was mich anbelangt, habe ich nichts dagegen, meine Tage in einer Luxus-Ambiente zu verbringen/vertreiben.

Das tut einfach gut;-)

Text: Anna Gracheva

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